BGI 884 / DGUV Information 209-064 - Sichere Reifenmontage
Berufsgenossenschaftliche Informationen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (BGI)
(Ausgabe 2003)
implementiert mit Genehmigung der Vereinigung der Metall-Berufsgenossenschaften
1 Einführung
1.1 Gefährdungen bei der Reifenmontage
Seit der Erfindung des luftgefüllten Reifens werden regelmäßig Räder gehandhabt, bei denen es sich im eigentlichen Sinn wegen der komprimierten Luft im Reifen um Druckbehälter handelt.
Sehr umfassend und in allen erdenklichen Einzelheiten wird der Betrieb von Druckbehältern in den "Technischen Regeln Druckbehälter" (TRB) behandelt - ausgenommen davon sind aber Fahrzeugreifen.
Auch in anderen staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Regelungen findet sich zu dieser Thematik wenig.
Lediglich in der BG-Regel "Fahrzeug-Instandhaltung" (BGR 157) sind Anforderungen gestellt, um den Risiken beim Umgang, insbesondere bei der Montage, zu begegnen.
Darüber hinaus hat der Wirtschaftsverband der Deutschen Kautschukindustrie e.V. (WdK) sowie der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk e.V. (BRV) Reifenmontageempfehlungen erarbeitet und veröffentlicht.
1.2 Unfallgeschehen
Die konsequente Anwendung der Technischen Regeln hat zu einem hohen Sicherheitsniveau geführt; Unfälle durch Zerknalle von druckbeaufschlagten Anlagen gehören inzwischen zu den seltenen Unfallereignissen.
Bei den Fahrzeugreifen sieht das ganz anders aus. Die Statistik aus Deutschland von 1989 bis 1999 (Bild 1-1) weist insgesamt 89 Unfälle aus, davon 9 tödliche. Dies entspricht 22 % aller tödlichen Unfälle in der Fahrzeug-Instandhaltung!
Betroffen waren
- 17 Pkw- und Leicht-Lkw-Räder,
- 22 Lkw-Räder,
- 34 Landmaschinen-Räder,
- 17 sonstige, z.B. Schubkarren-Räder, Motorrad-Räder usw.
Insgesamt erscheint das Unfallgeschehen bei der millionenfachen jährlichen Reifenmontage zunächst gering, insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass fast jeder Reifenmonteur Reifenplatzer aus eigener Erfahrung kennt.
Zu berücksichtigen ist aber, dass es sich bei den erfassten Unfällen nur um Unfälle handelt, bei denen wegen der Schwere des Unfalls eine genaue Unfalluntersuchung mit schriftlicher Dokumentation erfolgte.
Erfahrungsgemäß wird eine gesonderte Unfalluntersuchung nur dann durchgeführt, wenn die Schwere der Verletzung einen Körperschaden in rentenberechtigter Höhe erwarten lässt. Eine Aussage über die tatsächliche Anzahl bei der Montage geplatzter Reifen ist nicht möglich.
Meistens kommt es entweder zu einem Beinaheunfall (Reifenplatzer ohne Körperschaden) oder, wenn der Monteur getroffen wird, aufgrund der großen Energien zu einem schweren Unfall.
Bild 1-1: Auswertung schwerer Unfälle beim Umgang mit Reifen/Rädern über einen Zeitraum von 10 Jahren
Schwere
Unfälle im
Unfalljahr |
Anzahl | Tätigkeit des Verletzten | Rad |
Tödliche Verletzung |
Reifen- befüllung | Reifen-/ Radmontage/ -demontage | befestigt | nicht befestigt |
1989 | 10 | 9 | 1 | 5 | 5 | 3 |
1990 | 3 | 3 | - | 2 | 1 | - |
1991 | 13 | 12 | 1 | 8 | 5 | 1 |
1992 | 4 | 4 | - | 3 | 1 | - |
1993 | 7 | 7 | - | 4 | 3 | 1 |
1994 | 4 | 3 | 1 | 1 | 3 | - |
1995 | 16 | 15 | 1 | 7 | 8 | 2 |
1996 | 8 | 7 | 1 | 1 | 7 | 1 |
1997 | 9 | 7 | 1 | 1 | 7 | 1 |
1998 | 5 | 5 | - | 3 | 2 | - |
1999 | 10 | 10 | - | 9 | 1 | - |
Am häufigsten haben sich Unfälle bei der Befüllung - und zwar bei der erstmaligen Befüllung nach der Montage - ereignet.
Die Gründe dafür sind sehr vielschichtig, z.B.
- defektes Material (beschädigte Felgen, vorgeschädigte Räder bzw. Reifen),
- hohe Drücke zum Setzen des Reifens,
- Montage durch nicht ausreichend ausgebildetes Personal 1,
- fehlende Unterweisung,
- Unterschätzung der Gefahren,
- schlechte Technik, z.B. zu kurzer Befüllschlauch.
Obwohl es den Ausbildungsberuf Reifenmechaniker/Vulkaniseur gibt, fehlt bisher eine gesetzliche Grundlage, die derartige Tätigkeiten nur durch ausgebildetes Personal zulässt. Der hohe Anspruch an die Qualität der Reifenmontage sowohl aus sicherheitstechnischer Sicht wie auch aus Qualitätsgründen (Produkthaftung) vor dem Hintergrund der vielfältigen Reifen- und Felgenkonstruktionen/-kombinationen mit ihren spezifischen Montageanforderungen machen gleichwohl einen Einsatz ausgebildeter Fachkräfte erforderlich.
Diese Schrift hat zum Ziel, bekannte Risiken der Reifenmontage und deren Abhilfe aufzuzeigen, um sowohl für den Monteur als Informationsquelle für seine sichere Reifenmontage als auch den Vorgesetzten als Hilfe bei der Unterweisung zu dienen.
2 Reifenmontage
Die folgenden Beschreibungen beziehen sich ausschließlich auf Standardbereifung und Standardfelgen.
Bei Abweichungen vom Standard (z.B. Notlaufsysteme, Luftdruckkontrollsysteme) sind die entsprechenden Montage- und Demontagevorgaben zu beachten.
2.1 Montage von Pkw-Reifen und Reifen für leichte Nutzfahrzeuge
Die Montage dieser Reifen erfolgt überwiegend auf Tiefbettstahl- oder Aluminiumband-Felgen, bei denen der Reifenwulst vom Tiefbett kommend zunächst den "Hump" der Felgenschulter überspringen muss (so genannte Hump-Felgen, siehe Anhang A).
Eine Gefährdungsbeurteilung durch den zuständigen berufsgenossenschaftlichen Fachausschuss auf Grundlage der Unfallstatistik kommt zu dem Ergebnis, dass Reifenplatzer bei Pkw-Reifen mit Verletzungsfolgen während der Montage im Verhältnis zu der millionenfachen jährlichen Reifenmontage zwar vorkommen, aber wegen der wenigen registrierten Vorkommnisse nicht damit gerechnet werden muss.
Die Forderung nach einer sicheren Befestigung bei der Montage auch für diese Reifen-/Felgen-Kombinationen (Abschnitt 4.13.2 der BG-Regel "Fahrzeug-Instandhaltung" [BGR 157]) wird deshalb nicht weiter aufrecht erhalten.
Was nicht bedeutet, dass eine Montage dadurch als gefahrlos beurteilt wird.
Nach wie vor führt eine Vielzahl von Gefahren zu Gefährdungen, welche die Gesundheit der Beschäftigten nachhaltig schädigen können.
Zu derartigen Gefährdungen kommt es z.B.
- bei der Montage vorgeschädigter Reifen und/oder Felgen,
- der Überfüllung des Reifens,
- bei Hebe- und Tragevorgängen,
- durch Lärmimmissionen,
- durch wegfliegende Teile und/oder Erfasstwerden beim Auswuchten.
Zur Durchführung einer sicheren Montage unter Vermeidung von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren wird folgende Vorgehensweise vorgeschlagen:
2.1.1 Anheben des Fahrzeugs mittels Hebebühne
Dabei beachten:
- Bedienung der Hebebühne nur durch in der Bedienung unterwiesene und mindestens 18 Jahre alte Personen;
- vor dem Anheben korrekten Sitz der Aufnahmeelemente prüfen;
- Fahrzeug in eine individuell ergonomisch günstige Höhe heben.
2.1.2 Lösender Radbolzen bzw. Muttern mittels Druckluftschrauber
Dabei beachten:
- lärmarme Schlagschrauber verwenden;
- Gehörschutzmittel benutzen.
2.1.3 Abnahme des Rades vom Fahrzeug und manueller Transport zur Reifenmontiermaschine
Dabei beachten:
- Rad nur von außen mit beiden Händen fassen;
- auf ergonomisch günstigste Körperhaltung achten (siehe Abschnitt 4).
2.1.4 Rad vom Schmutz befreien
Dabei beachten:
- bei Reinigung mittels Drahtbürste Gefahr durch Einatmen u.a. von Bremsstäuben.
Auch wenn heute Asbest nicht mehr verwendet wird, ist das Gefährdungspotenzial durch Bremsstäube weitgehend unbekannt.
Deshalb sollten grundsätzlich alle Stäube durch eine Staub bindende Nassreinigung gefahrlos beseitigt werden, z.B. in einer Radwaschanlage (siehe auch Abschnitt 5.10 BG-Regel "Fahrzeug-Instandhaltung" [BGR 157]).
2.1.5 Luft ablassen
Dabei beachten:
- Ventileinsatz mit Ventilausdreher herausschrauben;
- niemals durch Abdrücken des Wulstes mit dem Abdrückelement der Montiermaschine den Reifen entlüften.
2.1.6 Trennen von Reifen und Felge
Dabei beachten:
- Abdrückelement der Montiermaschine möglichst dicht am Felgenhorn ansetzen;
- bei fest sitzenden Wulsten durch Weiterdrehen des Rades an mehreren Stellen das Abdrückelement zum Lockern ansetzen;
- das Rad auf der Montiermaschine spannen;
- bei Maschinen mit Abdrückrolle zuerst spannen und nach Betriebsanleitung vorgehen;
- Montagearm auf richtige Reifengröße einstellen (Betriebsanleitung des Maschinenherstellers beachten);
- Wulste nacheinander demontieren und alten Reifen abnehmen;
- Felge auf Beschädigungen (z.B. Risse, Verschleiß, Beulen, Rost) prüfen; vorgefundene Beschädigungen fachgerecht beurteilen, gegebenenfalls Hersteller zu Rate ziehen;
- altes Ventil generell gegen neues austauschen.
2.1.7 Montage des neuen Reifens
Dabei beachten:
- prüfen, ob Reifen- und Felgengröße zueinander passen (richtige Daten aus Kfz-Schein entnehmen);
- beide Wulste und Felgen mit Gleitmittel versehen (Einige Fahrzeughersteller geben ein bestimmtes Gleitmittel vor. Wird dieses nicht verwendet, kann es zu Komplikationen bei der Montage kommen, weil z.B. der Reifen beim zulässigen Springdruck nicht "springt".);
- Reifen mit richtiger Drehrichtung sowie Außen-/Innenseite auflegen;
- beide Wulste ohne Gewaltanwendung auf die Felge aufziehen;
- zur Drucküberwachung in Intervallen befüllen;
Achtung: Der Springdruck beträgt maximal 3,3 bar, alle Reifenhersteller garantieren nur bei Einhaltung dieses Druckes eine schadenfreie Montage des Reifens.
- auf einwandfreien Wulstsitz achten.
Achtung: Mit dem höchsten Druck wird der Reifen während der Montage belastet.
Das bedeutet auch ein entsprechend großes Gefährdungspotenzial für den Monteur bei Fehlern im Material oder bei falscher Montage.
Möglichkeiten zur sicheren Befestigung des Rades oder Einbringen in eine Fülleinrichtung sollten daher genutzt werden.
Den größten Schutz - und gleichzeitig die wirtschaftlichste Befüllung - bietet ein mit einer automatischen Befülleinrichtung kombinierter Käfig (Bilder 2-1 und 2-2). Der gesamte Befüllvorgang - Befüllung auf Springdruck und Setzdruck, Reduzierung auf Basisluftdruck - verläuft hierbei automatisch, sodass sich der Monteur zwischenzeitlich bereits mit dem nächsten Rad befassen kann.
Bild 2-1: Befülleinrichtung zur sicheren Befüllung von Pkw- und LLkw-Reifen mit Befüllcomputer

Bild 2-2: Reifenmontagesystem mit integrierter computerunterstützter Befülleinrichtung

Auswuchten nach Vorschrift des Herstellers
Dabei beachten:
- Auswuchtmaschinen mit einer Drehzahl < 100 min-1 dürfen nur dann ohne Schutzhaube betrieben werden, wenn Räder mit einem Felgendurchmesser < 20 Zoll gewuchtet werden; Voraussetzung ist jedoch, dass eine Gefährdung durch umlaufende Teile der Spannvorrichtung, z.B. durch entsprechend rund laufende Gestaltung, vermieden ist (Bild 2-3);
- je nach Felgenbauart werden an das Anbringen von Wuchtgewichten wegen der unterschiedlichen Felgenkonstruktionen besondere Anforderungen gestellt; um hierbei Fehler weitgehend auszuschließen, sollten grundsätzlich nur die vom Fahrzeug- bzw. Felgenhersteller vorgegebenen Ausgleichsgewichte verwendet werden.
Bild 2-3: Rund laufend gestaltetes Handrad an manuellen Auswuchtmaschinen

2.1.8 Rad am Fahrzeug befestigen
Dabei beachten:
- Nabe, Radbolzen bzw. Muttern reinigen;
- Rad "anstecken" und zunächst mit zwei gegenüberliegenden Radbefestigungsteilen von Hand locker befestigen, dann restliche Radbefestigungsteile ein- bzw. aufschrauben;
- mit zwei Radbefestigungsteilen
- bei leichten Bewegungen des Rades genaue Zentrierung gewährleisten;
- alle Radbefestigungsteile mäßig anziehen;
Hinweis: Das Anziehen der Befestigungselemente mit Schlagschraubern kann zu einer Überschreitung des zulässigen Anzugdrehmomentes führen, sodass keine sichere Befestigung sichergestellt ist. Deshalb untersagen die Fahrzeughersteller sowie der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV) die Verwendung von Schlagschraubern.
- nach dem Ablassen des Fahrzeugs entsprechend Herstellerangabe alle Radbefestigungsteile mit einem Drehmomentschlüssel kreuzweise anziehen;
- gegebenenfalls (z.B. bei der Montage von Leichtmetallfelgen) Aufkleber im Fahrzeug anbringen, der auf ein notwendiges Nachziehen der Radbefestigungsteile hinweist.
2.1.9 Luftdruckkontrolle
Dabei beachten:
- auch wenn nur ein Rad montiert wurde, bei allen Rädern den richtigen Luftdruck einstellen.
2.2 Montage von Großreifen (Lkw, Landmaschinen, Erdbewegungsmaschinen usw.)
Bedingt durch die Größe, das Gewicht, die Konstruktion der Felgen, zum Teil hohe Drücke bis 10 bar, lange Einsatzdauer (insbesondere im landwirtschaftlichen Bereich), erschwerte Einsatzbedingungen (z.B. in Steinbrüchen) usw., ist das Gefährdungspotenzial bei der Montage dieser Räder und Reifen wesentlich höher als bei Pkw-Rädern.
Entsprechend werden auch an die Montage/Demontage besondere Anforderungen gestellt. Über die im Abschnitt 2.1 beschriebenen Montagevorgänge hinaus ist dabei Folgendes besonders zu beachten:
2.2.1 Umgang
Bei Rädern oder Reifen, deren Durchmesser 1,5 m oder deren Gewicht 200 kg übersteigt, dürfen Montage, Demontage und Transport nur von mindestens zwei Personen durchgeführt werden (Bild 2-4). Das freie Rollen dieser Räder bzw. Reifen ist nicht erlaubt.
Grundsätzlich müssen Einrichtungen verwendet werden die sicherstellen, dass das Rad bzw. der Reifen gegen Umfallen gesichert ist. Solche Einrichtungen sind z.B. spezielle Transportgeräte (Bild 2-5) oder Flurförderzeuge mit geeigneten Lastaufnahmemitteln (siehe hierzu auch Abschnitte 4.13.1 und 5.17.1 der BG-Regel "Fahrzeug-Instandhaltung" [BGR 157]).
Bild 2-4: Positionieren eines Schlepperrades - Aufnahme durch die Reifenmontiermaschine

Bild 2-5: Transporteinrichtung für Großräder mit integrierter Raddrehrichtung

2.2.2 Abnahmen des Rades vom Fahrzeug
Dabei beachten:
- Fahrzeug gegen Wegrollen sichern;
- Hebeeinrichtung, z.B. Wagenheber, an den vom Fahrzeughersteller vorgegebenen Punkten ansetzen und Rad freiheben;
- eventuell vorhandene Radkappen mit Werkzeug lösen, dabei Handschuhe tragen (Radkappen haben häufig einen scharfen Grat);
- Lage des Scheibenrades zur Nabe/Bremstrommel kennzeichnen;
- Luft ablassen, bei Zwillingsbereifung von beiden Reifen;
- Scheibenrad durch kreuzweises Lösen der Radmuttern abnehmen, bei Verwendung von Druckluftschraubern lärmarme Schrauber verwenden;
- Achtung:
Bei Montagen unter dem Fahrzeug:
Fahrzeug auf Unterstellböcke absetzen;
- beim Abnehmen des Rades ergonomisch günstige Körperhaltung beachten (siehe Abschnitt 4).
2.2.3 Transport des Rades zur Reifenmontiermaschine
Dabei beachten:
- durch Bodenunebenheiten, Richtungswechsel usw. besteht die Gefahr, dass das Rad umfallen und Personen quetschen kann.
Deshalb sollen alle Räder ausschließlich mit Transportmitteln bewegt werden (siehe Abschnitt 2.2.1 und Beispiel im Bild 2-5).
2.2.4 Arbeiten mit der Montiermaschine
Dabei beachten:
- Betriebsanleitung des Herstellers der Maschine kennen und beachten;
- Felge auf der Montiermaschine zentrisch so aufspannen, dass die Montage über die kurze Felgenseite erfolgt;
- mit der Abdrückschaufel beide Wulste abdrücken; gegebenenfalls muss bei fest sitzenden Wulsten durch Weiterdrehen der Felge an mehreren Stellen abgedrückt werden;
- bei mehrteiligen Felgen Seiten-, Verschluss- und Schrägschulterring demontieren;
- alle Auswuchtgewichte entfernen;
- Wulste und Felgenhorn mit Montagepaste einstreichen;
- beim Lösen des Reifens über die kurze Felgenseite Verspannungen vermeiden, um den Wulst nicht zu beschädigen (z.B. dadurch, dass dem Reifen zeitlich Gelegenheit gegeben wird, in die vorgesehene Position zu gleiten);
- Ventil überprüfen und gegebenenfalls ersetzen (Gummiventile sollten grundsätzlich erneuert werden);
- alle Metallteile (Felgen, Verschlussringe) reinigen und gegebenenfalls entrosten;
- alle Teile auf Schäden überprüfen, fachgerecht beurteilen und gegebenenfalls Hersteller zu Rate ziehen;
- Montage des Reifens entsprechend Abschnitt 2.1;
- bei Verwendung eines neuen Schlauches bzw. Wulstbandes auf richtige Größe achten, gebrauchte Teile gründlich kontrollieren; Schlauch und Wulstband talkumieren und faltenfrei einlegen; Luft einfüllen, bis der Schlauch glatt anliegt.
2.2.5 Reifen mit Luft befüllen
Dabei beachten:
Nach der BG-Regel "Fahrzeug-Instandhaltung" (BGR 157) müssen alle genannten Räder während der Befüllung wegen der zum Teil hohen Drücke, großer Luftvolumen oder mehrteiligen Felgenkonstruktionen sicher befestigt werden.
Als sicher gelten grundsätzlich nur formschlüssige Befestigungen.
Dies können z.B. sein
- formschlüssige Einspannung mit der Montiermaschine (Bild 3-4) - nur bei einteiligen Felgen zulässig -,
- Befestigung des Rades mittels Felgenwächter (Bilder 2-7 und 2-9),
- Einbringung des Rades in eine geschlossene und gegen zu erwartende Berstdrücke konstruierte Befülleinrichtung (Bild 2-11).
Letztere sollte bevorzugt eingesetzt werden, weil sie den höchsten Schutz gegen wegfliegende Teile gewährleistet.
In Verbindung mit einer automatischen Befülleinrichtung bietet sie außerdem den Vorteil, dass sich der Monteur während der Befüllung bereits anderen Aufgaben widmen kann.
Formschlüssige Einspannung auf der Montiermaschine, Verwendung eines Felgenwächters sowie Befüllen mittels Befüllkäfig bieten zwar einen Schutz gegen das gefährliche Fortfliegen des Rades, nicht jedoch gegen die Druckwelle beim Bersten oder gegen fortgeschleuderte Teile des Rades.
Ein umfassenderer Schutz ist nur durch Einhaltung eines Sicherheitsabstandes von ca. 2,5 m (Bilder 2-7 und 2-8) zu realisieren.
Das bedeutet, dass auch die Schlauchlänge vom Stecknippel bis zur Befülleinrichtung mind. 2,5 m betragen muss.
Bild 2-6: Befüllung mit zu kurzem Befüllschlauch, dadurch zwangsläufig Aufenthalt im Gefährdungsbereich!

Bild 2-7: Sicherheitsabstände bei Verwendung eines "Reifenwächters"

Bild 2-8: Sicherheitsabstand bei Verwendung eines Befüllkäfigs

Bild 2-9: Anwendung eines Felgenwächters

Bild 2-10: Automatische Befüllung mit Bedienung außerhalb des Gefährdungsbereiches

Zusammengefasst sollte bei der Befüllung Folgendes beachtet werden:
- sichere formschlüssige Befestigung des Rades (Bild 3-4) oder Einbringung in einen Befüllkäfig (Bild 2-1 und Bild 2-11);
- bei Befüllung außerhalb eines Käfigs Sicherheitsabstand von ca. 2,5 m einhalten; dabei wird empfohlen, den Sicherheitsbereich farblich auf dem Boden zu markieren (Bilder 2-7 und 2-8);
- bei manueller Befüllung langsam füllen und Pausen einlegen, damit sich der Reifen setzen kann;
- bei mehrteiligen Felgen korrekten Sitz der Ringe kontrollieren und gegebenenfalls mit vorsichtigen Hammerschlägen korrigieren (Bild 2-9).
Bild 2-11: Großreifenbefülleinrichtung mit Befüllcomputer

Die Kennlinien der Wulste müssen einen gleichmäßigen Abstand zu den Felgenhörnern aufweisen.
Maximale Setzdrücke nicht überschreiten.
Diese betragen bei
- Lkw- und Flurförderzeugreifen
| 10,0 bar |
- Erdbewegungsmaschinenreifen
| 6,0 bar |
- Traktorackerschlepper und Gradereifen
| 3,5 bar |
Bild 2-12: Deformierte Befülleinrichtung nach Reifenexplosion

2.2.6 Auswuchten
Dabei beachten:
Vielfach bietet der Markt Auswuchtmaschinen ohne Schutzhaube an. Deren Verwendung ist nur dann zulässig, wenn
- die Drehzahl unter 100 min-1 liegt und der Felgendurchmesser weniger als 20 Zoll beträgt sowie
- eine Gefährdung durch umlaufende Teile der Spanneinrichtung vermieden ist, z.B. durch Verkleidung oder glatt rund laufende Gestaltung (Bild 2-3).
2.2.7 Rad am Fahrzeug befestigen
Dabei beachten:
Auflageflächen der Bremstrommel und Felge müssen gründlich gereinigt werden, um eine spannungsfreie Radmontage zu gewährleisten.
Auch wenn sichergestellt ist, dass die Bremsstäube asbestfrei sind, ist bis heute die Wirkung der Inhaltsstoffe dieser Stäube bezüglich ihres gesundheitsgefährdenden Potenzials weitgehend unbekannt.
Deshalb sollte vorzugsweise eine Staub bindende Nassreinigung durchgeführt werden.
Wird mit Stahlbürste und Pinsel gearbeitet, sind Staubsauger, wenn Asbestfreiheit nicht sichergestellt ist, nur baumustergeprüfte Entstauber der Kategorie K1 zu verwenden.
- Übrige Vorgehensweise entsprechend Abschnitt 2.1.8.
2.3 Montage von Motorradreifen
Bei der Motorradreifen-Montage gibt es im Vergleich zur Montage der bisher besprochenen Reifen gravierende Unterschiede.
Es werden hier nicht nur einige Muttern bzw. Bolzen geschraubt.
Aus den verschiedenen Kraftradkonstruktionen bei über 2000 verschiedenen Motorradtypen auf dem deutschen Markt ergeben sich diverse unterschiedliche Möglichkeiten der Radmontage.
Bei vielen Radmontagen erfolgt eine mindestens teilweise Demontage bzw. Montage von Antrieb, Bremsanlage oder des Tacho-Antriebes.
Dabei werden spezielle Kenntnisse des Monteurs vorausgesetzt.
Montage von Rädern und Reifen gehört zu den Tätigkeitsbereichen der Berufsbilder Zweiradmechaniker, Vulkaniseur und Fahrzeugmechaniker nach der Handwerksordnung.
Vertiefende Inhalte zum sach- und sicherheitsgerechten Ein- und Ausbau von Motorradreifen und zur entsprechenden Reifenmontage vermittelt die Bundesfachschule für das Deutsche Zweiradmechanikerhandwerk in Frankfurt.
Grundsätzlich gilt:
Falls für einen bestimmten Fahrzeugtyp Unsicherheiten über den ordnungsgemäßen Radaus- und -einbau bestehen, sollte das Werkstatthandbuch zu Rate gezogen werden.
Bestehen immer noch Unsicherheiten, ist der Auftrag abzulehnen!
Die folgenden Ausführungen beschränken sich ausschließlich auf die mit der Reifenmontage verbundenen sicherheitstechnischen Aspekte.
2.3.1 Radaus- und -einbau
Dabei beachten:
- Motorrad auf Mittelständer und Montageständer abstellen und gegen Wegrollen und Umfallen sichern;
- auszubauendes Rad möglichst mittels speziellem Montageständer freiheben; Anheben mit Wagenheber nur an den Teilen, die vom Fahrzeughersteller dafür vorgesehen sind;
Achtung:
Das Freiheben mittels Wagenheber erfordert besondere Sorgfalt wegen
- Beschädigungsmöglichkeit diverser Fahrzeugteile,
- nicht dafür konzipierte Auflagefläche des Hebers,
- geringe Auflagefläche am Motorblock usw.
- vor dem Radausbau noch einmal sorgfältig Standfestigkeit des Fahrzeugs überprüfen;
- Radausbau nach der Montagebeschreibung (Werkstatthandbuch bzw. Betriebsanleitung) des Herstellers;
- keine Schlagschrauber zum Lösen der Schrauben verwenden (bis M10 wegen der Gefahr des Abreißens bzw. Beschädigens);
- demontierte Teile so ablegen, dass sie vollständig vorhanden bleiben und zweifelsfrei in seitenrichtiger Reihenfolge wieder montiert werden können;
- keine öligen oder fettigen Hände bei Arbeiten im Bereich der Bremsscheiben.
2.3.2 Reifenmontage
Dabei beachten:
- Reifenmontagen sollten grundsätzlich nur maschinell erfolgen und vorzugsweise auf Montagemaschinen, die speziell für Motorradräder konzipiert sind.
Bei Pkw-Reifenmontiermaschinen sind Montagekopf und Abdrückeinrichtungen für Pkw-Reifen optimiert und bei der Motorradreifenmontage gegebenenfalls nur bedingt zu verwenden.
Auch bei Verwendung spezieller Spannmittel kann nur ein eingeschränktes Felgenspektrum gespannt werden.
Folgen können sein:
- Schäden am Felgenhorn.
- Überdehnung des Wulstes.
- Zu hohe Spannkräfte an Magnesium- oder Kohlefaserfelgen.
- Beschädigungen durch eingeschränkten Spannbereich (spannen von kleinen [z.B. < 10 Zoll] oder großen [z.B. > 22 Zoll] Felgen zum Teil nicht möglich).
- Bei jedem Reifenwechsel sollte das Ventil gewechselt werden; bei Tube-Type-Reifen auch der Schlauch.
- Bei mittleren Felgengrößen in Verbindung mit großen Bremsscheiben darauf achten, dass nicht versehentlich an der Bremsscheibe gespannt wird.
- Bei Handmontage zur Vermeidung von Schäden an der Felge nur Montiereisen mit glattflächigen Auflagen unter Verwendung einer schützenden Auflage sowie Montiereisen, die so gestaltet sind (s-förmig), dass keine Platzprobleme mit den Bremsscheiben entstehen, benutzen.
- Vor dem Abdrücken Reifen durch Herausdrehen des Ventileinsatzes entlüften.
- Reifen mit Abdrückschaufel vorsichtig abdrücken, gegebenenfalls mehrfach ansetzen und das Rad dabei drehen.
Achtung: Bei Pkw-Montiermaschinen passt die Abdrückeinrichtung nur selten in das Tiefbett, sodass die Gefahr von Schäden am Felgenhorn und Reifen besteht.
- Auswuchtgewichte entfernen.
- Felge mit passenden Spannklauen spannen und Reifen von der Felge lösen, siehe hierzu Abschnitt 2.1.6.
- Beim Spannen von Magnesium- oder Kohlefaserfelgen zulässige Spannkräfte beachten.
Der häufig von Pkw-Montagemaschinenherstellern fest eingestellte Druck zum Spannen von Stahlfelgen kann zur Zerstörung oder Verformung der Felgen führen.
- Felgen sorgfältig auf Beschädigungen, z.B. Einrisse, Verformungen, Materialverschleiß, prüfen. Vorgefundene Beschädigungen fachgerecht beurteilen, gegebenenfalls Hersteller zu Rate ziehen.
- Montage des Reifens wie bei Pkw (Abschnitt 2), dabei vorgeschriebene Paarungen Felge - Reifen einhalten.
2.3.3 Reifenbefüllung
Dabei beachten:
- bei Tube-Type-Reifen vor dem Befüllen prüfen, ob der Schlauch nirgendwo zwischen Wulst und Felge klemmt;
- Springdruck von 3,3 bar nicht überschreiten, gegebenenfalls noch einmal entlüften und mit Montagepaste nachstreichen;
- bei Tube-Type-Reifen darauf achten, dass Zwischenluft entweichen kann.
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